8. Oktober 2026
Verdis seltene „Alzira“ kehrt nach Parma zurück
Das Festival Verdi 2026 beginnt in Parma mit einer der seltensten Opern Giuseppe Verdis. „Alzira“ wurde seit ihrer Uraufführung 1845 nur wenige Male wiederentdeckt und stand beim Festival Verdi zuletzt 2002 auf dem Spielplan. James Conlon dirigiert die neue Produktion von Manuel Renga, die Verdis Blick auf die Eroberung Perus ins Zentrum rückt.

Mainz/Parma - Mit einer Rarität aus Giuseppe Verdis frühen Jahren hat das Festival Verdi 2026 in Parma begonnen: Alzira. Die Oper wurde seit ihrer Uraufführung nur selten gespielt und war im Teatro Regio zuletzt 2002 zu sehen. Die neue Produktion unter dem Motto „Mondi lontani“ dirigiert James Conlon, Manuel Renga führt Regie. Die Premiere fand am 1. Oktober statt.
Verdi schrieb Alzira für das Teatro di San Carlo in Neapel, wo die Oper am 12. August 1845 uraufgeführt wurde. Das Libretto von Salvadore Cammarano basiert auf Voltaires Alzire ou les Américains. Die Handlung spielt im Peru des 16. Jahrhunderts und konfrontiert spanische Eroberer mit der indigenen Bevölkerung. Im Zentrum steht Alzira, Tochter des Inka-Häuptlings Ataliba und Geliebte des Widerstandskämpfers Zamoro. Der spanische Gouverneurssohn Gusmano begehrt sie und versucht, seine politische Stellung durch eine Heirat zu sichern.
Aus der Dreieckskonstellation entwickelt sich ein Drama über koloniale Gewalt, Macht und Vergebung. Zamoro kehrt zurück, nachdem er für tot gehalten wurde, und verschont zunächst seinen ehemaligen Peiniger. Später tötet er Gusmano während der Hochzeitsfeier; erst im Angesicht des Todes findet dieser zur Vergebung. Aus heutiger Perspektive rückt damit die Frage nach Herrschaft und den Folgen kolonialer Gewalt stärker in den Mittelpunkt als der exotische Schauplatz.
Musikalisch zeigt Alzira einen Verdi auf dem Weg zu seiner späteren dramatischen Meisterschaft. Arien, Duette, Ensembles und Chorszenen treiben die Handlung unmittelbar voran. In Parma erklingt das Werk nach der kritischen Edition von Stefano Castelvecchi und Jonathan Cheskin.
James Conlon leitet die Filarmonica Arturo Toscanini und den Chor des Teatro Regio di Parma. Marta Torbidoni singt Alzira, Antonio Poli Zamoro und Daniel Luis de Vicente Gusmano. Manuel Renga richtet seine Inszenierung auf die politischen und gesellschaftlichen Machtverhältnisse des Stoffes; Bühne und Kostüme stammen von Aurelio Colombo.
Mit Alzira setzt Parma bewusst auf einen frühen, selten gespielten Verdi. Die Rückkehr des Werks nach 24 Jahren ist damit nicht nur eine Wiederentdeckung, sondern auch die Gelegenheit, einen historischen Stoff über Eroberung und Herrschaft aus heutiger Perspektive neu zu lesen.

