13. Oktober 2026
Liebe, Gier und Untergang – Zürich bündelt Rachmaninows drei Opern
Das Opernhaus Zürich stellt drei selten gemeinsam gespielte Opern Sergej Rachmaninows an einem Abend zusammen. Am 1. November 2026 hat Dmitri Tcherniakovs Inszenierung von Aleko, Der geizige Ritter und Francesca da Rimini Premiere. Gianandrea Noseda dirigiert ein spätromantisches Triptychon, in dem Leidenschaft in Gewalt umschlägt, Besitz zum Lebensinhalt wird und eine verbotene Liebe in der Katastrophe endet.

Mainz/Zürich - Drei Männer, drei zerstörerische Obsessionen: In Aleko, Der geizige Ritter und Francesca da Rimini zeichnet Sergej Rachmaninow Figuren, die an ihren Vorstellungen von Liebe, Macht und Besitz zerbrechen. Das Opernhaus Zürich bringt die drei Einakter am 1. November 2026 in einer gemeinsamen Inszenierung von Dmitri Tcherniakov auf die Bühne. Gianandrea Noseda dirigiert das Orchester der Oper Zürich. Zusammen zeigen die Werke eine weniger bekannte Seite des Komponisten, dessen Opernschaffen oft hinter seinen Klavierkonzerten und Sinfonien zurücktritt.
Aleko, Rachmaninows Abschlussarbeit am Moskauer Konservatorium, wurde 1893 uraufgeführt. Nach einem Gedicht Alexander Puschkins erzählt die Oper von einem Mann, der sich einer Roma-Gemeinschaft angeschlossen hat, um der bürgerlichen Gesellschaft zu entkommen. Als seine Geliebte Semfira sich einem jüngeren Mann zuwendet, schlägt Alekos Leidenschaft in Eifersucht und tödliche Gewalt um. Er sucht Freiheit, kann sie anderen aber nicht zugestehen. Rachmaninows Musik verbindet leidenschaftliche Melodik mit wirkungsvollen Chorszenen und psychologischer Spannung.
In Der geizige Ritter verdrängt der Besitz jede menschliche Bindung. Der Baron hortet sein Vermögen, während sein Sohn Albert um Geld für ein eigenes Leben kämpft. Für den Vater ist der Schatz längst mehr als Reichtum: Er bedeutet Macht und Sicherheit. Rachmaninow komponierte den Einakter 1903/04 nach einem dramatischen Gedicht Puschkins. Die Musik macht aus der Besessenheit des Barons ein Gefängnis, aus dem er selbst keinen Ausweg findet.
Francesca da Rimini, 1906 uraufgeführt, beruht auf einer Episode aus Dantes Göttlicher Komödie. Francesca ist mit dem gewalttätigen Lanciotto Malatesta verheiratet, liebt jedoch dessen Bruder Paolo. Als Lanciotto die beiden entdeckt, endet ihre Beziehung tödlich. In der Hölle begegnen Dante und Vergil den Liebenden, die für immer vom Sturm der Verdammten mitgerissen werden. Dunkle Orchesterklänge und aufgewühlte Bewegungen umrahmen die lyrische Liebesszene, bevor die Gewalt zurückkehrt.
Tcherniakov verbindet die drei Geschichten zu einer Studie über Menschen, deren Begehren, Besitzdenken und verletzter Stolz in Zerstörung münden. Vladislav Sulimsky singt Aleko, den Baron und Lanciotto; Elena Stikhina übernimmt Semfira und Francesca, Bekhzod Davronov den jungen Mann in Aleko und Paolo. Ain Anger ist als Semfiras Vater und als Vergils Geist zu hören, Alexey Dolgov als Geldverleiher und Dante. Tcherniakov verantwortet auch das Bühnenbild, die Kostüme stammen von Elena Zaytseva.
Mit den drei Einaktern rückt Zürich selten gemeinsam aufgeführte Werke ins Zentrum, die Rachmaninows dramatische Kraft aus unterschiedlichen Perspektiven zeigen. Alle drei erzählen von Menschen, die um jeden Preis festhalten wollen, was ihnen zu entgleiten droht – und gerade daran zerbrechen.

