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12. Oktober 2026

Eine Ehehölle mit Orchester – Schostakowitschs „Lady Macbeth von Mzensk“ in Stuttgart

Am 8. November 2026 feiert Dmitri Schostakowitschs Oper Lady Macbeth von Mzensk Premiere an der Staatsoper Stuttgart. Regisseurin Ulrike Schwab erzählt von Katerina Ismailowa, die aus einer patriarchalischen Lebenswelt auszubrechen versucht und dabei selbst in Gewalt verstrickt wird. Nicholas Carter dirigiert das Staatsorchester Stuttgart; Rosie Aldridge übernimmt die Hauptrolle.

Von der Redaktion Opernreiseführer

Generalmusikdirektor Nicholas Carter
Generalmusikdirektor Nicholas Carter | © Matthias Baus

Mainz/Stuttgart - Eine Frau sucht einen Ausweg aus einem Leben, in dem andere über ihren Körper, ihre Arbeit und ihre Zukunft bestimmen. Doch die Freiheit, die Katerina Ismailowa in ihrer Affäre mit dem Arbeiter Sergej zu finden glaubt, führt nicht aus der Gewalt heraus, sondern immer tiefer in sie hinein. Am 8. November 2026 bringt die Staatsoper Stuttgart Dmitri Schostakowitschs Lady Macbeth von Mzensk heraus – ein Musikdrama über Unterdrückung, Begehren und gesellschaftliche Brutalität.

Die 1934 in Leningrad uraufgeführte Oper basiert auf einer Erzählung von Nikolai Leskow. Katerina lebt in einer Kaufmannsfamilie, in der ihr Schwiegervater Boris sie tyrannisiert und ihr Ehemann Sinowi sie auf ihre Rolle als künftige Mutter reduziert. Sergej scheint einen Ausweg aus dieser Enge zu eröffnen. Doch als Katerina ihren Schwiegervater und später ihren Mann tötet, um mit ihrem Geliebten leben zu können, wird aus dem Befreiungsversuch eine Spirale aus Schuld und Selbstzerstörung. Im sibirischen Straflager zerbricht schließlich auch ihre Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft.

Schostakowitschs Musik verleiht diesem Konflikt eine scharfkantige Gestalt. Grelle Bläser, schneidende Rhythmen und groteske Überzeichnungen treffen auf weit gespannte, schmerzlich lyrische Passagen. Die Partitur entlarvt die Männerwelt, der Katerina ausgeliefert ist, ohne die Hauptfigur von ihrer eigenen Verantwortung freizusprechen. Ihr Leid ist unüberhörbar, doch ihre Taten werden selbst Teil der Katastrophe. Gerade diese Spannung macht die Oper bis heute unbequem: Katerina ist Opfer eines gewalttätigen Systems und wird zugleich zur Täterin.

Regisseurin Ulrike Schwab erzählt das Geschehen aus der Perspektive der Hauptfigur. Ihre Inszenierung versteht die Handlung als düsteren Erinnerungstrip, in dem Realität, Fantasie und Traum ineinander übergehen. Pia Dederichs und Lena Schmid gestalten Bühne und Kostüme. Rosie Aldridge singt Katerina, Ladislav Elgr übernimmt die Partie des Sergej, Goran Jurić verkörpert Boris und Moritz Kallenberg den Ehemann Sinowi.

Am Pult steht Nicholas Carter, Generalmusikdirektor der Staatsoper Stuttgart. Gemeinsam mit dem Staatsorchester Stuttgart und dem Staatsopernchor stellt er sich den extremen Kontrasten einer Partitur, die groteske Schärfe, orchestrale Wucht und innere Verzweiflung miteinander verschränkt.

Schostakowitsch erzählt nicht von einer Frau, der die Befreiung gelingt, sondern von einem Aufbegehren, das in einer Welt ohne Ausweg immer zerstörerischer wird. Am Ende bleibt das Bild des schwarzen Wassers – und die Frage, ob Freiheit möglich ist, wenn Gewalt längst zur Sprache des Lebens geworden ist.