23. September 2026
Händels „Alcina“ kehrt mit Lisette Oropesa nach London zurück
Händels Alcina steht wieder auf der Bühne des Royal Opera House in London. Richard Jones’ Produktion von 2022 kehrt mit großen Teilen der ursprünglichen Besetzung zurück. In der Titelrolle ist erneut Lisette Oropesa zu erleben, Emily D’Angelo singt Ruggiero, David Bates dirigiert.

Mainz/London - Eine Zauberin, ein verzauberter Ritter und eine Insel voller ehemaliger Liebhaber, die zu Tieren geworden sind: Händels Alcina kehrt bis zum 3. Oktober an das Royal Opera House zurück. Die Wiederaufnahme von Richard Jones’ 2022 entstandener Produktion bringt wesentliche Mitglieder der ursprünglichen Besetzung erneut zusammen. David Bates dirigiert das Orchester des Royal Opera House; Lisette Oropesa, Emily D’Angelo, Mary Bevan und Ru Charlesworth übernehmen erneut ihre Rollen.
Im Zentrum steht Oropesa als Alcina. Die Zauberin beherrscht eine Insel, auf die sie Männer lockt, deren Liebe sie genießt, bis sie ihrer überdrüssig wird und sie verwandelt. Ihr neuer Geliebter Ruggiero gerät jedoch ins Visier seiner Verlobten Bradamante, die sich als Mann verkleidet auf die Insel begibt. Aus Begehren, Täuschung und Identitätswechsel entwickelt Händel ein Musiktheater, in dem die scheinbar allmächtige Alcina zunehmend mit dem Verlust ihrer Macht konfrontiert wird.
Gerade in Alcinas Musik wird diese Fallhöhe hörbar. Händels Arien geben der Figur Raum, ihre Gefühle in langen musikalischen Bögen und abrupten emotionalen Umschlägen auszuleuchten. In „Ah! mio cor, schernito sei“ wird aus der selbstbewussten Herrscherin eine zutiefst verletzte Frau. Oropesa gestaltet diese Entwicklung mit einer Verbindung aus vokaler Beweglichkeit, kontrollierter Linie und dramatischer Präsenz. Auch aktuelle Kritiken heben die Arie als einen Höhepunkt ihrer Darstellung hervor.
Emily D’Angelo übernimmt erneut den Ruggiero. Der Ritter ist Alcinas neueste Eroberung und zugleich die Figur, an der sich der Umschlag der Handlung besonders deutlich zeigt: Während er zunächst völlig in ihrer Welt aufgeht, erinnert ihn Bradamante an sein früheres Leben. Beth Taylor singt Bradamante, Mary Bevan erneut Morgana. Ru Charlesworth kehrt als Oronte zurück, Edward Grint übernimmt Atlante; Thomas Mayes ist als Oberto zu erleben. Damit treffen vier Sängerinnen und Sänger aus der Originalbesetzung von 2022 auf neue Mitglieder des Ensembles.
Richard Jones’ Inszenierung verzichtet auf eine romantisierte Märcheninsel. Stattdessen prallen unterschiedliche gesellschaftliche Welten aufeinander: Alcinas sinnliche, von Verwandlung und Begehren bestimmte Sphäre trifft auf eine streng moralische Ordnung. Die von Antony McDonald entworfene Bühnenwelt verbindet dabei groteske Elemente mit den körperlich präsenten Tiergestalten. Sarah Fahie, die bereits 2022 für Bewegung und Choreografie verantwortlich war, übernimmt bei der Wiederaufnahme die Funktion der Revival and Movement Director.
Für David Bates ist Alcina zugleich eine Rückkehr zu Händel am Royal Opera House. Der Dirigent führt das Orchester durch eine Partitur, in der die musikalische Charakterisierung der Figuren eng mit der dramatischen Entwicklung verbunden ist. Besonders die großen Arien Alcinas und Ruggieros stehen dabei neben den bewegten Ensembleszenen, in denen Händel die Verwirrung der Figuren musikalisch verdichtet.
Die aktuelle Serie umfasst sechs Vorstellungen vom 15. September bis 3. Oktober. Gesungen wird auf Italienisch mit englischen Übertiteln; die Aufführung dauert rund drei Stunden und 50 Minuten einschließlich zweier Pausen. Die Wiederaufnahme knüpft damit unmittelbar an die Produktion von 2022 an, die damals mit Oropesa, D’Angelo und Bevan zentrale Partien bereits in derselben Besetzung präsentierte.
Händels Alcina erzählt letztlich von einer Macht, die nur so lange Bestand hat, wie die von ihr beherrschten Menschen an ihre Illusion glauben. Sobald Ruggiero sich dieser Welt entzieht, verliert Alcina ihre Kontrolle – und mit ihr zerfällt auch die Ordnung ihrer Insel. In London wird diese Fallbewegung erneut von Oropesas Alcina getragen: zwischen Verführung, virtuoser Koloratur und dem schmerzhaften Moment, in dem aus der mächtigen Zauberin eine Frau wird, die den Verlust nicht mehr verhindern kann.

