Headerbild
Zurück zu Aktuelles

22. September 2026

300-mal „La traviata“: Verdis Violetta schreibt Scala-Geschichte

Am 26. September erreicht Giuseppe Verdis La traviata an der Mailänder Scala die 300. Aufführung. Zugleich kehrt Liliana Cavanis seit 1990 gespielte Inszenierung zurück: Sie erlebt am 2. Oktober ihre 100. Vorstellung. In der aktuellen Serie singt Nadine Sierra die Violetta, Michele Gamba dirigiert.

Von der Redaktion Opernreiseführer

Die Mailänder Scala
Die Mailänder Scala | © Graham Gramilano Spicer

Mainz/Mailand - Mailand zählt in diesen Tagen eine ungewöhnliche Zahl: Am 26. September wird La traviata zum 300. Mal in der Geschichte der Scala aufgeführt. Verdis Oper kam dort erstmals 1859 auf die Bühne, sechs Jahre nach der Uraufführung am Teatro La Fenice in Venedig. Die aktuelle Serie läuft seit dem 19. September und umfasst zwölf Vorstellungen bis zum 15. Oktober.

Noch bevor diese Gesamtzahl erreicht ist, steht eine zweite Scala-Zahl im Raum: Die Inszenierung von Liliana Cavani aus dem Jahr 1990 kommt am 2. Oktober zu ihrer 100. Vorstellung. Cavani arbeitete damals mit dem Bühnenbildner Dante Ferretti und der Kostümbildnerin Gabriella Pescucci zusammen. Die Scala bezeichnet den von Riccardo Muti initiierten, aufwendig ausgestatteten Abend als die mit Abstand am häufigsten gespielte Traviata-Produktion des Hauses.

Cavanis Inszenierung entstand im Bewusstsein einer besonderen Vorgeschichte. 1955 hatte Luchino Visconti mit Maria Callas als Violetta eine Produktion geschaffen, die bis heute zu den prägenden Kapiteln der Scala-Geschichte zählt. 1990 setzte Cavani mit Ferretti und Pescucci eine neue szenische Handschrift dagegen. Dass diese Produktion nun ihre 100. Vorstellung erreicht, zeigt zugleich, welche Dauer ein erfolgreicher Bühnenentwurf im Repertoire eines Opernhauses entwickeln kann.

Musikalisch steht Michele Gamba am Pult des Orchesters und Chors der Scala. Der Mailänder Dirigent kehrt damit zu Verdi zurück, nachdem er 2022 an der Scala Rigoletto dirigiert hatte. In den ersten Vorstellungen übernimmt Nadine Sierra die Titelpartie; Francesca Pia Vitale singt Violetta am 26. und 30. September sowie am 3., 8. und 12. Oktober.

Am 26. September, dem Abend der 300. Aufführung, stehen Vitale, Iván Ayón Rivas als Alfredo Germont und Boris Pinkhasovich als Giorgio Germont auf der Bühne. Vitale stammt aus der Accademia Teatro alla Scala und gibt in dieser Serie ihr Debüt als Violetta am Mailänder Opernhaus. Amartuvshin Enkhbat übernimmt die Partie des Giorgio Germont erst ab dem 30. September.

Verdis Partitur stellt mit Violetta eine Figur ins Zentrum, deren privates Glück unmittelbar auf gesellschaftliche Erwartungen trifft. Sie entscheidet sich für Alfredo, gibt die Beziehung jedoch auf, als dessen Vater Giorgio Germont sie mit den möglichen Folgen ihrer Vergangenheit für seine Familie konfrontiert. Aus dem Gesellschaftsdrama wird ein persönlicher Konflikt über Liebe, Verzicht und soziale Konventionen.

Dass La traviata gerade an der Scala eine solche Aufführungsgeschichte besitzt, verbindet zwei unterschiedliche Epochen der Bühnentradition: die legendäre Visconti-Produktion mit Callas und Cavanis 1990 entstandene Inszenierung. Nun trifft diese lange Geschichte auf eine neue Sängergeneration. Die beiden Jubiläumszahlen machen sichtbar, wie stark Verdis Oper und eine einzelne Produktion im Repertoire des Hauses verankert sind.

Am 26. September wird zunächst die 300. Aufführung von Verdis La traviata an der Scala gezählt, wenige Tage später folgt am 2. Oktober die 100. Vorstellung von Cavanis Inszenierung. Der Spielplan erzählt damit in diesem Herbst nicht nur die Geschichte Violettas, sondern auch die Geschichte einer Produktion, die seit mehr als drei Jahrzehnten zum Bühnenleben Mailands gehört.