Headerbild
Zurück zu Aktuelles

12. Oktober 2026

Götter, Verwandlung und Verführung eröffnen die Opernpremieren der Berliner Barocktage

Mit Francesco Cavallis „La Calisto“ beginnt am 8. November die Opernreihe der Barocktage an der Staatsoper Unter den Linden. Regisseur Stefan Herheim entwirft eine „barocke Science-Fiction“-Welt für die mythologische Geschichte um Jupiter, die Nymphe Calisto und die Göttin Diana. Christina Pluhar dirigiert ihr Ensemble L’Arpeggiata gemeinsam mit der Akademie für Alte Musik Berlin; Vera-Lotte Boecker singt die Titelrolle.

Von der Redaktion Opernreiseführer

Die Staatsoper Berlin
Die Staatsoper Berlin | © Stephan Rabold

Mainz/Berlin - Götter verwandeln sich, Identitäten geraten durcheinander, Begehren führt zu komischen und tragischen Verwicklungen: Francesco Cavallis La Calisto eröffnet am 8. November 2026 die Opernpremieren der Berliner Barocktage. Die Staatsoper Unter den Linden setzt damit auf ein Werk der venezianischen Oper des 17. Jahrhunderts, das mythologische Stoffe mit überraschend menschlichen Konflikten verbindet. Stefan Herheim inszeniert, Christina Pluhar übernimmt die musikalische Leitung.

Cavalli komponierte La Calisto auf ein Libretto von Giovanni Faustini. Die Oper wurde 1651 in Venedig uraufgeführt, als sich die Gattung zunehmend zu einem öffentlichen Musiktheater entwickelte. Im Zentrum steht Jupiter, der sich der Nymphe Calisto nähert und dafür die Gestalt Dianas annimmt. Die wirkliche Diana liebt den Jäger Endimione. Aus Täuschung und Verwechslung entsteht ein Geflecht, in dem göttliche Macht auf menschliche Verletzlichkeit trifft.

Herheim beschreibt seinen Zugriff als „barocke Science-Fiction“. Die wechselnden Identitäten und überraschenden Wendungen werden zu einem szenischen Kaleidoskop, das die labyrinthische Handlung in immer neue Konstellationen führt. Silke Bauer entwirft das Bühnenbild, Yashi die Kostüme. Die mythologische Welt erscheint so nicht als museales Götterbild, sondern als beweglicher Raum, in dem Körper, Rollen und Machtverhältnisse ihre Gestalt verändern.

Vera-Lotte Boecker singt die Titelpartie, Milan Siljanov verkörpert Jupiter. Giuseppina Bridelli übernimmt Juno, Luciana Mancini die Diana. Renato Dolcini ist als Merkur zu erleben, Arnaud Gluck als Endimione und Marcel Beekman als Linfea. Ergänzt wird die Besetzung durch Jake Arditti als Satirino, David Tricou als Pane und João Fernandes als Silvano.

Pluhar dirigiert ihr Ensemble L’Arpeggiata gemeinsam mit der Akademie für Alte Musik Berlin. Die Verbindung beider Ensembles rückt Cavallis farbige Instrumentation und den flexiblen Wechsel zwischen Rezitativ und Arie in den Mittelpunkt. Die Musik treibt die Handlung voran und zeichnet die wechselnden Gefühlslagen der Figuren mit großer Unmittelbarkeit.

Die Berliner Barocktage finden vom 7. bis 27. November statt. Das Programm spannt einen Bogen von den Anfängen der Oper bis zu Christoph Willibald Glucks Orfeo ed Euridice mit Cecilia Bartoli in einer halbszenischen Aufführung. Neben La Calisto stehen unter anderem Monteverdis L’incoronazione di Poppea und Purcells Dido & Aeneas auf dem Spielplan.

In La Calisto führt der Weg zum Sternenhimmel über Täuschung, Eifersucht und göttliche Willkür. Dass die Nymphe schließlich zum Sternbild wird, verleiht dem barocken Verwechslungsspiel eine kosmische Pointe – und macht die Oper zu einem Auftakt, der Mythologie als lebendiges Theater begreift.