31. August 2026
Netrebko und Kaufmann in Verdis „Aida“ am Teatro San Carlo
Anna Netrebko und Jonas Kaufmann treffen am 6. September im Teatro di San Carlo in Neapel aufeinander: als Aida und Radamès in Giuseppe Verdis „Aida“. Riccardo Frizza dirigiert die konzertante Aufführung, in der die Stimmen und Verdis dramatische Partitur ohne szenische Ausstattung im Mittelpunkt stehen.

Mainz/Neapel - Zwei international renommierte Opernsänger treffen am 6. September in Neapel aufeinander: Anna Netrebko übernimmt im Teatro di San Carlo die Titelpartie in Giuseppe Verdis „Aida“, Jonas Kaufmann singt Radamès. Die einzige Aufführung der Saison findet in konzertanter Form statt und wird von Riccardo Frizza dirigiert. Mit dem Orchester und Chor des Teatro di San Carlo konzentriert sich der Abend damit unmittelbar auf Verdis Partitur und ihre musikalische Dramaturgie.
Im Zentrum steht Aida, die Tochter des äthiopischen Königs Amonasro, die nach ihrer Gefangennahme am ägyptischen Hof als Sklavin lebt. Dort verliebt sie sich in den ägyptischen Feldherrn Radamès. Ihre Liebe steht jedoch im Widerspruch zu ihrer Herkunft und zur politischen Situation zwischen Ägypten und Äthiopien. Auch Radamès gerät zwischen seine Gefühle für Aida und seine Verpflichtung gegenüber dem ägyptischen Staat. Verdis Oper verbindet damit eine persönliche Liebesgeschichte mit Krieg, politischer Macht und religiöser Autorität.
Für Netrebko gehört Aida inzwischen zu den großen Verdi-Partien ihres Repertoires. In Neapel trifft sie auf Jonas Kaufmann als Radamès, dessen Auftritt mit der berühmten Arie „Celeste Aida“ zu den bekanntesten Momenten der Oper gehört. Von dort entwickelt sich die Partie über die Duette mit Aida und Amneris bis zu den großen Ensembles, in denen die privaten Konflikte der Figuren immer stärker mit den politischen und religiösen Dimensionen der Handlung verschmelzen.
Auch die weitere Besetzung bringt international erfahrene Sängerinnen und Sänger zusammen. Elizabeth DeShong übernimmt die Partie der Amneris, der ägyptischen Prinzessin und Rivalin Aidas. Luca Salsi singt Amonasro, Aidas Vater und König von Äthiopien. Alexander Köpeczi ist als Ramfis zu hören, Andrea Pellegrini als König von Ägypten. Ergänzt wird das Ensemble durch Désirée Giove als Priesterin und Sun Tianxuefei als Boten.
Die konzertante Form verändert dabei die Perspektive auf „Aida“. Ohne Bühnenbild, Kostüme und szenische Aktionen treten die musikalischen Ebenen der Oper unmittelbarer hervor: die großen Chorszenen, die intimen Duette, die dramatischen Ensembles und die orchestralen Übergänge. Gerade Verdis Fähigkeit, persönliche Konflikte musikalisch mit dem gesellschaftlichen und religiösen Umfeld der Figuren zu verbinden, wird dadurch zu einem zentralen Bestandteil des Abends.
Für das Teatro di San Carlo ist die Aufführung zugleich ein besonderer Termin innerhalb der Saison. Nach der Sommerpause kehrt das Opernprogramm mit nur einer Aufführung von „Aida“ zurück, bevor am 24. September Mozarts „Mitridate, re di Ponto“ in einer neuen Produktion folgt. Die Verdi-Aufführung verbindet damit eine prominente internationale Besetzung mit dem Orchester und Chor eines der traditionsreichsten Opernhäuser Italiens.
Am 6. September treffen in Neapel somit nicht nur Anna Netrebko und Jonas Kaufmann als Aida und Radamès aufeinander. Die konzertante Aufführung stellt Verdis musikalische Gestaltung des zentralen Konflikts unmittelbar ins Zentrum: die Spannung zwischen persönlicher Liebe und öffentlicher Pflicht, zwischen individueller Entscheidung und den politischen und religiösen Mächten, denen die Figuren ausgeliefert sind.

