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6. August 2026

Evgeny Kissin mit Soloabend im Zeichen der romantischen Klavierkunst in Salzburg

Evgeny Kissin gastierte am 5. August 2026 bei den Salzburger Festspielen mit einem Klavierabend im Großen Festspielhaus. Der Pianist stellte dabei Werke aus dem klassischen und romantischen Repertoire gegenüber und zeichnete eine musikalische Entwicklungslinie zwischen formaler Klarheit, poetischer Verdichtung und virtuoser Ausdruckskraft.

Von der Redaktion Opernreiseführer

Der russische Pianist Evgeny Kissin in Salzburg
Der russische Pianist Evgeny Kissin in Salzburg | © SF/Marco Borrelli

Mainz/Salzburg - Ein Abend für das Klavier als erzählerisches Instrument: Evgeny Kissin kehrte am 5. August 2026 zu den Salzburger Festspielen zurück und präsentierte im Großen Festspielhaus ein Solo-Recital, das zentrale Stationen der Klaviermusik des 19. Jahrhunderts verband. Der international bekannte Pianist widmete sich Kompositionen, in denen sich architektonische Strenge, lyrische Feinzeichnung und dramatische Zuspitzung begegnen.

Das Programm begann mit Ludwig van Beethovens Klaviersonate Nr. 7 D-Dur op. 10/3. In diesem Werk zeigt sich Beethovens Übergang von der klassischen Sonatenform zu einer stärker persönlichen musikalischen Sprache: klare motivische Arbeit trifft auf kantable Passagen und ausgeprägte dynamische Kontraste.

Es folgten mehrere Mazurken von Frédéric Chopin aus verschiedenen Schaffensphasen. Die kurzen Charakterstücke verbinden die rhythmischen Anregungen des polnischen Tanzes mit einer hoch differenzierten pianistischen Sprache, in der kleine melodische Wendungen und fein abgestufte Klangfarben im Mittelpunkt stehen.

Nach der Pause stand Robert Schumanns „Kreisleriana“ op. 16 auf dem Programm, eines der vielschichtigsten Klavierwerke der deutschen Romantik. Die acht Fantasiestücke verlangen vom Interpreten abrupte Wechsel zwischen leidenschaftlicher Bewegung, lyrischer Ruhe und innerer Spannung. Den Abschluss bildete Franz Liszts Ungarische Rhapsodie Nr. 12 cis-Moll, ein Werk, das virtuose Brillanz mit folkloristisch geprägten musikalischen Gesten verbindet.

Erste Kritiken des Abends richteten den Blick vor allem auf Kissins Umgang mit der emotionalen Spannweite des Programms. Besprochen wurde insbesondere die Verbindung aus technischer Kontrolle und einer stark auf Ausdruck gerichteten Interpretation. Die Rezensionen ordneten den Abend weniger über spektakuläre Effekte ein, sondern über die Frage, wie Kissin die unterschiedlichen musikalischen Charaktere von Beethoven, Chopin, Schumann und Liszt miteinander verband.

Mit der Gegenüberstellung dieser vier Komponisten wurde im Großen Festspielhaus ein Panorama der romantischen Klaviertradition sichtbar: vom klassischen Formbewusstsein Beethovens über Chopins poetische Miniaturen und Schumanns psychologisch aufgeladene Fantasieform bis zur virtuosen Klangwelt Liszts.