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18. Oktober 2026

„Der Rosenkavalier“ in Köln: Richard Strauss zwischen Walzer und Filmstudio

Mit Richard Strauss’ „Der Rosenkavalier“ hat die Oper Köln am 27. September 2026 ihre Eröffnungspremiere im wiedereröffneten Opernhaus gefeiert. Regisseurin Marie-Ève Signeyrole verlegt die Geschichte um Liebe, Eifersucht und Abschied in die Welt eines Filmstudios der Belle Époque. Unter der musikalischen Leitung von Andrés Orozco-Estrada stehen Magdalena Hinterdobler, Bianca Andrew und Patrick Zielke im Zentrum.

Von der Redaktion Opernreiseführer

Giulia Montanari, Bianca Andrew
Giulia Montanari, Bianca Andrew | © Matthias Jung

Mainz/Köln - Ein Filmstudio wird zur Bühne für eine Oper über die Vergänglichkeit: Mit Richard Strauss’ Der Rosenkavalier eröffnete die Oper Köln am 27. September 2026 ihr saniertes Stammhaus am Offenbachplatz. Die Inszenierung von Marie-Ève Signeyrole verbindet die Wiener Gesellschaftskomödie mit der Welt des frühen Kinos. Im Zentrum steht die Frage, ob sich Zeit und Gefühle ebenso inszenieren lassen wie ein Film.

Die Feldmarschallin Fürstin Werdenberg tritt als Filmschaffende auf, die einen Kostümfilm über die Belle Époque dreht, das Drehbuch schreibt und selbst die Hauptrolle übernimmt. Auch ihre Beziehung zum jungen Octavian scheint sie kontrollieren zu wollen. Doch sie weiß, dass seine Liebe nicht von Dauer sein wird. Hinter dem gesellschaftlichen Glanz entfaltet sich so die leise Melancholie der Oper: Jugend, Begehren und Einfluss vergehen, selbst wenn man versucht, sie festzuhalten.

Signeyrole verknüpft diese Geschichte mit den Interessen des Barons Ochs auf Lerchenau. Als Filmproduzent will er Sophie, eine junge Schauspielerin, für sich gewinnen und ihre Karriere beeinflussen. Octavian überbringt ihr die titelgebende silberne Rose und verliebt sich in sie. Als Ochs Sophie bedrängt, bereiten die Marschallin und das Filmteam eine Falle vor, die sein Verhalten entlarven soll. Die Inszenierung verbindet damit das Spiel um Liebe und gesellschaftlichen Rang mit der Frage, wie Bilder Macht erzeugen und öffentliche Wahrnehmung lenken.

Musikalisch verlangt Der Rosenkavalier ein Gleichgewicht zwischen orchestraler Pracht und fein abgestufter Figurenzeichnung. Andrés Orozco-Estrada leitet das Gürzenich-Orchester Köln durch die schillernden Walzer, weit gespannten Melodiebögen und Übergänge zwischen Komödie und Abschied. Besonders im Monolog der Marschallin am Ende des ersten Aufzugs verdichtet sich Strauss’ Musik zu einer Erkenntnis, die das ganze Werk durchzieht: Die Zeit lässt sich nicht aufhalten.

Magdalena Hinterdobler singt die Marschallin, Bianca Andrew übernimmt die Hosenrolle des Octavian, Patrick Zielke den Baron Ochs. Giulia Montanari und Elsa Benoit teilen sich die Partie der Sophie, abhängig vom Aufführungstermin. Die Besetzung verbindet drei Lebensperspektiven: die Erfahrung einer Frau, die den Verlust bereits vorausahnt, die wechselnden Gefühle eines jungen Liebenden und die Selbstgewissheit eines Mannes, der seinen gesellschaftlichen Anspruch nicht infrage stellt.

Mit ihrer Eröffnungsproduktion gibt die Oper Köln dem wiedereröffneten Haus einen programmatischen Auftakt. Signeyroles Filmstudio-Konzept rückt das Verhältnis von Inszenierung und Wirklichkeit in den Mittelpunkt, während Strauss’ Musik den Blick auf das richtet, was sich nicht festhalten lässt. Am Ende muss die Marschallin Octavian loslassen. Ihr Abschied ist kein pathetischer Schlussstrich, sondern macht den Weg für eine neue Generation frei.